Psychokardiologie
„Die kardiologische Therapie ist abgeschlossen – der innere Weg beginnt.“
Herzmedizin im bio-psycho-sozialen Kontext
Herzerkrankungen betreffen nicht nur das Herz. Sie greifen tief in das seelische Erleben, das Sicherheitsgefühl und die Lebensgestaltung ein. Angst, innere Unruhe, Niedergeschlagenheit, Rückzug oder anhaltende körperliche Beschwerden können auch dann bestehen bleiben, wenn die kardiologische Behandlung erfolgreich abgeschlossen ist.
Die Psychokardiologie verbindet kardiologische und psychotherapeutische Kompetenz. Sie richtet den Blick auf das Zusammenspiel von Herz, Körper, Emotionen und Lebensgeschichte – mit dem Ziel, körperliche Stabilität und seelische Verarbeitung miteinander zu verbinden.
Psychokardiologie im stationären Aufenthalt
Bereits während des stationären Aufenthaltes oder im Rahmen unserer Herzinsuffizienz-Ambulanz achten wir auf seelische Belastungen, die im Zusammenhang mit der Herzerkrankung auftreten können. Auf Wunsch oder bei entsprechender Indikation bieten wir ein psychokardiologisches Gespräch zur emotionalen Entlastung und ersten Orientierung an.
Ein fester Bestandteil unseres stationären Angebots ist die täglich stattfindende Herzgruppe.
In dieser offenen Gruppe werden Atem-, Bewegungs- und Entspannungsverfahren mit psychophysiologischen Aspekten kombiniert. Ziel ist es, Angst abzubauen, das Vertrauen in den eigenen Körper zu stärken und einen ersten Zugang zu emotionalen Reaktionen auf die Herzerkrankung zu ermöglichen.
Ambulante Psychokardiologie (KV-Ermächtigung)
Im Rahmen einer KV-Ermächtigung bieten wir eine ambulante psychokardiologische Behandlung für Patientinnen und Patienten mit Herzerkrankungen an.
Das Angebot richtet sich u. a. an Menschen
• nach Herzinfarkt, Herzoperation oder Reanimation
• mit Herzinsuffizienz
• mit Defibrillator- oder Schrittmachertherapie
• mit wiederkehrenden Herzrhythmusstörungen
• mit schwer einstellbarer arterieller Hypertonie
• bei anhaltender Angst, innerer Unruhe, Niedergeschlagenheit oder Erschöpfung im Zusammenhang mit der Herzerkrankung
Behandlungsformate der ambulanten Psychokardiologie
Kriseninterventionsgespräche
In den Einzelgesprächen werden die emotionalen Folgen der Herzerkrankung, belastende Erfahrungen, Ohnmachts- und Angstaffekte sowie hinderliche Bewältigungsmuster gemeinsam untersucht. Ziel ist es, Gefühle wahrzunehmen, einzuordnen und in das eigene Leben zu integrieren, statt sie dauerhaft körperlich tragen zu müssen.
Die offene Gruppe richtet sich an Patientinnen und Patienten, die nach einer Phase der Einzeltherapie oder im weiteren Verlauf den Übergang zurück in Alltag, Familie und Beruf gestalten möchten. Unterschiedliche Entwicklungsstände sind ausdrücklich willkommen. Der Austausch in der Gruppe ermöglicht Orientierung, Entlastung und soziale Integration nach schwerer Herzerkrankung.
Im Rahmen der ambulanten psychokardiologischen Behandlung erfolgt bei Bedarf eine kardiologische Verlaufskontrolle mit Anamnese, klinischem Status, EKG, Echokardiografie sowie ggf. Geräte-Nachsorge oder weiterführender Diagnostik.
Schwere Herzerkrankungen gehen häufig mit existenziellen Erfahrungen von Ohnmacht, Bedrohung und Kontrollverlust einher. Um weiter zu funktionieren, werden diese Gefühle oft verdrängt oder bagatellisiert. Nicht selten übernimmt der Körper diese emotionale Last.
Ein zentrales Ziel unserer psychokardiologischen Arbeit ist es, die emotionale Gesundheit wiederherzustellen – damit das Herz nicht länger tragen muss, was seelisch nicht verarbeitet werden konnte.
Die Anmeldung zur ambulanten psychokardiologischen Behandlung erfolgt über:
Sekretariat der Klinik für Kardiologie
Tel.: 03773 – 62903
Mail: b.scholz@erlabrunn.de
Weitere Informationen erhalten Sie im persönlichen Gespräch.
Dr. med. Brit Scholz
Chefärztin der Klinik für Kardiologie
Leitende Ärztin Funktionsdiagnostik |
Fachärztin für Innere Medizin Zusatzbezeichnung Psychokardiologie Zusatzbezeichnung Psychotherapie |
Chefarztsekretariat
Nadine Kammler