Aktuelle Meldungen der Kliniken Erlabrunn

Hier finden Sie nach Jahren und Monaten sortiert alle aktuellen Meldungen der Kliniken Erlabrunn gGmbH.

Moderne Medizin – Fluch oder Segen für den älteren Patienten?

07.05.2012 | Aktuelles

Geriatrietag 2012
15. Erlabrunner Geriatrietag 2012 im Krankenhaus Erlabrunn

Am 5. Mai 2012 wurde in der Kliniken Erlabrunn gGmbH der „15. Erlabrunner Geriatrietag“ zum Thema „Moderne Medizin – Fluch oder Segen für den älteren Patienten?“ von Frau Dr. Trillitzsch im Namen des Geschäftsführers, Herrn Wieder, eröffnet.
Unter der Verantwortung von Frau Katrin Scherf, Chefärztin der Klinik für Geriatrie und Frührehabilitation, wurde ein Tagungsprogramm zum gesellschaftlich brisanten und aktuell kritisch diskutierten Thema zusammengestellt. Über 220 Teilnehmer aus Fachkreisen (Ärzte, stationäre und ambulante Pflege, Vertreter der Pharmaindustrie) sowie tlw. die interessierte Öffentlichkeit lauschten den Referenten mit ihrem zum Teil sehr erfrischenden Vortragsstil zu einem sehr ernsten und `schweren` Thema. Sie stimmten zugleich nachdenklich und konnten mit der sogar berührenden Art sehr viel Resonanz auslösen, so einige Tagungsteilnehmer.

„Alt werden will jeder – alt sein dagegen niemand.“ Aber wie soll das gehen – kann die moderne Medizin dieses Wunder vollbringen? Ohne näher auf den demografischen Wandel eingehen zu wollen, kann man sagen, dass der erste Teil des Sprichwortes bereits für viele in Erfüllung gegangen ist, doch der Wunsch nach dem Älterwerden bei bestmöglichster Gesundheit - und dies bitte ohne Gebrechlichkeit oder schwerere Erkrankungen - ist oft schon schwerer zu erfüllen. „Was kann die moderne Medizin leisten, wo sind ihre Grenzen, welche Facetten gehören zum Älterwerden dazu und welche medizinischen Möglichkeiten können wir auch für ältere Patienten sinnvoll nutzen?“ Mit diesen Fragestellungen setzten sich die Referenten und die Gäste der Veranstaltung auseinander.

Prof. Dr. med. Martin Wehling, Kardiologe und Facharzt für Innere Medizin aus Mannheim, erläuterte z. B. Chancen und Risiken der Gerontopharmakologie. Viele betagte Menschen haben heute mehrere Diagnosen und erhalten daraufhin verschiedene Medikamente zur Behandlung. „Manche Patienten nehmen bis zu 20 Tabletten täglich ein“, reflektiert Prof. Wehling kritisch. „Wichtig wären in Zeiten des demografischen Wandels auch Leitlinien für ältere Patienten, denn ältere Menschen reagieren anders auf Medikamente als jüngere“, so Wehling weiter.

Prof. Dr. med. Frank Oehmichen aus Kreischa erörterte die Frage, inwieweit lebensverlängernde Maßnahmen geboten sind. Dabei verwies er darauf, dass die Entscheidung über diese Maßnahmen einerseits wesentlich von den persönlichen Lebenszielen des Patienten abhängt. Andererseits müssen für die anzuwendenden Maßnahmen aus ärztlicher Sicht realistische Erfolgsaussichten bestehen.

Frau Dipl.-Med. Marie-Luise Müller, Onkologin aus Bad Schlema, skizzierte die moderne Medizin im Alter aus onkologischer Sicht und stellte das Für und Wider kritisch gegenüber.

Dr. med. Kersten Guthke, Chefarzt am Städtischen Klinikum Görlitz und Facharzt für Neurologie, referierte über die akute Schlaganfallbehandlung und ging dabei auf verschiedene Grenzsituationen ein, mit welchen auch das Team der Stroke Unit in Erlabrunn tagtäglich konfrontiert wird.

Dr. med. Friedemann Ficker, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie aus Dresden, erörterte Facetten des Älterwerdens wie Depressionen und Demenz. Dabei zeigte er an Beispielen die Veränderung der kognitiven Fähigkeiten auf und verwies auf die ärztliche Verantwortung bei der Verordnung von Antidepressiva und anderen Medikamenten mit Nebenwirkungen.

Das Thema „Kardiologie im Alter“ wurde von Frau Dr. med. Brit Scholz, Oberärztin Kardiologie / Rhythmologie-Labor der Kliniken Erlabrunn gGmbH, beleuchtet. Zudem stellte sie neue Ansätze in der Diagnostik und moderne Behandlungsmöglichkeiten im kardiologischen Bereich vor.

Abschließend berichtete Herr Hans-Peter Kühn nicht nur als Betroffener von einem Leben mit einem ICD-/Defibrillator. Als Landesbeauftragter des Landesverbandes Sachsen / Defibrillator (ICD) Deutschland e.V. machte er gleichzeitig mit seinem Vortrag „Plötzlich herzkrank – Hilfe zu Selbsthilfe“ und seinen persönlichen Ausführungen Mut, dass man sich nach solch einem Eingriff im Alltag dennoch `normal` bewegen kann.