Indikationssprechstunde Diabetischer Fuß

Diabetisches Fußsyndrom

Diabetisches Fußsyndrom 

Das Diabetische Fußsyndrom, umgangssprachlich auch „diabetischer Fuß“ genannt, ist eine schwere Langzeitkomplikation bei Patienten mit Diabetes mellitus. Bei jahrelang erhöhten Blutzuckerspiegeln entstehen Schädigungen der Blutgefäße, Nerven und Fußknochen. Als Folge davon kann es zu Heilungsstörungen bei kleinsten oberflächlichen oder tiefen Verletzungen am Fuß kommen. Aus nicht bzw. schlecht heilenden Wunden können tiefe Geschwüre entstehen, die sich bis auf den Knochen ausbreiten können. Im schlimmsten Falle kann durch fortschreitendes Absterben des Gewebes in Folge Mangeldurchblutung eine Amputation notwendig werden. Es ist deshalb wichtig, dass Diabetiker bei Auffälligkeiten an ihren Füßen umgehend zum Arzt gehen. Alarmsignale können z. B. Brennen und Kribbeln in den Beinen als Folge der Nervenstörung sein. Durch frühzeitige Behandlung von nicht heilenden kleinen Wunden an den Füßen können die schlimmsten Folgezustände wie die Amputation verhindert werden. Auch Schwellung, Rötung oder Stellungsveränderungen des Sprung- oder Mittelfußgelenkes als frühe Zeichen der Chopart-Osteoarthropathie sollten möglichst frühzeitig betreut werden. 
Wichtig:
Durch frühzeitige Behandlung können Amputationen verhindert werden. 



Ausprägungen des Diabetischen Fußsyndroms 

1. Defekte und Nagelprobleme 

Jeder Fußsohlendefekt stellt ein Risiko für eine Infektion dar. Er muss sorgfältig behandelt und beobachtet werden. Mehr als 45 % der Defekte entwickeln sich im Bereich des Nagelbettes, vor allem an der Großzehe. Die Mehrzahl der Paronychien können mittels elastischem Taping und Abrasion geheilt werden. 

2. Infektion, Osteomyelitis

Das Risiko für eine Amputation wird wesentlich durch das Auftreten einer Infektion bestimmt. Die Kombination aus allgemeiner Immunschwäche der Diabetiker, Durchblutungsstörungen und Infektion kann zu einer lebensbedrohlichen Sepsis führen. Für die Prognose ist es sehr wichtig, das gesamte Spektrum der Behandlungsoptionen von der Antibiotikatherapie bis zu chirurgischen Nekrektomien rechtzeitig einzusetzen. Bei etwa 20 % der chronisch infizierten Ulzerationen kommt es zu einer Osteomyelitis. Im Rahmen der Diagnostik sollte immer die Gefäßsituation abgeklärt werden und ggf. korrigiert werden. Es ist eine multimodale Behandlung notwendig, bestehend aus lokaler und antibiotischer Infektionsbehandlung, stadiengerechter lokaler Wundbehandlung, Therapie von Gefäßerkrankungen, Debridement avitaler Gewebeanteile und einer vollständigen Druckentlastung. Bakterielle Infektionen des Knochens lassen sich nicht immer von nichtbakteriellen Arthropathien unterscheiden. Mikrobiologisch stellt die Osteobiopsie den Goldstandard dar. Die Behandlung einer nachgewiesenen Osteomyelitis, chirurgisch und/oder antibiotisch, muss in Abhängigkeit vom Lokalbefund von Spezialisten entschieden werden. 

3. Deformitäten

Jede Fußdeformität kann im Laufe der Zeit zu einem Defekt mit dem Risiko einer Infektion und letztendlich Amputation führen. Bei diesen Patienten muss die Ursache der Deformität abgeklärt werden. Therapeutisch kommen neben einem Entlastungsschuh auch plastische Korrekturoperationen in Frage. 

4. Neuroosteoarthropathie (Charcot-Fuß)

Diabetische Neuroosteoarthropathie kann als progressive und destruktive Arthropathie einzelner oder multipler Gelenke und/oder Knochen definiert werden. Die genaue Patho-genese des akuten Charcot-Fußes ist nach wie vor nicht eindeutig geklärt. Traumata sind eine wesentliche Bedingung für die Entstehung einer Osteoarthropathie. Sie führen zu einer reaktiven Hyperämie mit Schwellung, Hyperämie und Entzündungsreaktionen. Dadurch kann es zu einer weiteren ossären Resorption sowie zu Mikrofrakturierungen und Destruktionen mit Subluxation kommen. Bei fortgesetzter mechanischer Belastung entsteht schließlich eine Destruktion der Fußintegrität. Die akute entzündliche Phase wird als akuter, aktiver Charcot-Fuß bezeichnet. Neben der klinischen Diagnose gehört das Röntgenbild zur Basisdiagnostik der diabetischen Neuroosteoarthropathie. Zur Feindiagnostik ist ein MRT erforderlich.
Die Therapie des akuten Charcot-Fußes besteht in der Verhinderung einer weiteren Verschlimmerung mit dem Ziel des Erhalts der Fußfunktion. Die Primärtherapie besteht in einer vollständigen Druckentlastung. Im weiteren Verlauf können auch rekonstruktive Eingriffe mit Knochenresektion und Hautplastiken notwendig werden. Die komplexe Behandlung der Charcot-Osteoarthropathie gehört in die Hände von erfahrenen podiatrischen Chirurgen.   
      
Multimodale Behandlung
Die Behandlung des Diabetischen Fußsyndroms erfordert ein hohes Maß an interdiszipli-närer (Chirurgie, Orthopädie, Gefäßchirurgie, Neurologie, Diabetologie), interprofessioneller (Arzt, Pflege, Podologie, Physiotherapie, Ernährungstherapie, Sozialdienst) und transsektoraler (Zusammenarbeit mit den ambulanten Partnern) Teamarbeit. 
Nach den Regeln der aDFS (Association for Diabetic Foot Surgeons) sollte eine spezielle podiatrisch-chirurgische Ambulanz für die Indikationsstellungen zu einer differenzierten Therapie vorgehalten werden. 
Die Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie ist ein qualifiziertes Mitglied der Gesellschaft für Podiatrische Chirurgie (aDFS - Association for Diabetic Foot Surgeons) und bietet das gesamte Spektrum von spezialisierten Eingriffen, von Geschwulstplastiken bis zur komplexen Charcot-Fuß-Wiederherstellung an. 
Ab dem 01.01.2020 gibt es in den Kliniken Erlabrunn eine Indikationssprechstunde für diese Erkrankungen. 

Diabetischer Fuß – Sprechstunde:

Sprechzeiten: Montag 08:00 – 10:00 Uhr
                        Zentrale Ambulanz/MUDr. Navratil

Anmeldung: Frau Ullmann, 03773 62109