Aktuelle Meldungen der Kliniken Erlabrunn

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Musik belebt Körper, Geist & Seele - auch im Alter

15.04.2014 | Aktuelles

Studenten des Studiengangs - Soziale Gerontologie - in der Klinik für Psychosomatische Medizin & Psychotherapie im Krankenhaus Erlabrunn
Mannigfache Fragen stellten die Studenten des 2. Jahrgangs der Studienrichtung „Soziale Gerontologie“ der Berufsakademie Breitenbrunn dem medizinischen Personal im Krankenhaus Erlabrunn, wie z. B.:
  • Was bedeutet Psychotherapie im Alter?
  • Welche Bedeutung schreibt man in diesem Kontext der Musiktherapie zu?
  • Was passiert bei der Musiktherapie und inwiefern können Verarbeitungsprozesse eingeleitet werden?
  • Wie kann die Psychotherapie mittels Musik als ein Medium und besonderer Zugang zu Gefühlen fungieren, um somit über Wahrnehmungsprozesse zur Gedankenwelt und gleichzeitig zu individuellen Lösungsansätzen für Betroffene zu gelangen?
  • Wie kann Musik bzw. Musiktherapie den Umgang mit körperlichen Einschränkungen und Beschwerden erleichtern?
Der Fragenkatalog ließe sich noch beliebig fortführen. Für die Studierenden sind dies nachhaltig wichtige Einblicke, welche bzgl. jener sensiblen Thematik am 08.04.2014 gewonnen werden konnten. Zusammen mit ihrem Mentor, Herrn Dr. med. habil. W. Zwingenberger, besuchten sie die Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Kliniken Erlabrunn gGmbH. Oberarzt D. Vetter und Frau Forster, Musiktherapeutin der Klinik, referierten zum Thema „Musik als Medium zur Bewältigung von psychosomatischen Problemen im Alter“. Für die jungen Menschen waren jene Inhalte in ihrer besonderen Verbindung zwischen Psychosomatik und Alter sowohl neuer als auch hoch interessanter und zugleich sensibilisierender Diskussionsstoff, welcher aufgrund der Komplexität und der zeitlichen Restriktionen an anderer Stelle fortgeführt werden wird.

Generell ist festzuhalten, dass psychosomatische Erkrankungen im höheren Lebensalter zunehmend eine wichtige Rolle spielen und jene insbesondere bei der demographischen Entwicklung in naher Zukunft an Bedeutung gewinnen.

Jahrzehntelang galten ältere Menschen für die Psychotherapie aufgrund des negativen Altersbildes mit den Vorstellungen von Starrheit, Uneinsichtigkeit und mangelndem Willen zum Wandel nahezu als Ausschlusskriterium.

Das Altersbild hat sich erfreulicherweise geändert; und insbesondere die „jungen Alten“ so von 65-75 Jahren sind die noch geistig und körperlich fitten, mobilen, die ihr Leben noch genießen können. Aber im Alter gibt es eine ganze Reihe von körperlichen und psychischen Risikofaktoren:
  • der Ausstieg aus dem Berufsleben
  • der Auszug der Kinder, falls welche vorhanden
  • das Nachlassen der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit
  • der Verlust eines nahen Angehörigen oder Partners
  • Veränderung einer Partnerschaft nach dem Ausstieg aus dem Berufsleben
Dabei spielt die Einsamkeit eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Familienstrukturen haben sich geändert. Der Anteil der Alleinlebenden nimmt zu. Im höheren Alter betrifft das oftmals die Frauen, da die Männer aufgrund der kürzeren Lebenserwartung vorwiegend bereits verstorben sind. Aber selbst in gestörten Partnerschaften, die auch im Alter nicht selten sind, kann man gemeinsam einsam sein. Aber auch im Alter besteht das große Bedürfnis nach Nähe und Liebe. Einsamkeit wirkt sich nicht nur auf die Psyche negativ aus, sondern erhöht auch das Risiko für körperliche Erkrankungen.

Im Alter kommt es oft zu einem heterogenen Nebeneinander von Fähigkeiten und Handicaps, Konflikten und unverarbeiteten Traumata, die zu depressiven Verstimmungen, Antriebslosigkeit, Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben, Selbstunsicherheit, Ängsten und funktionellen Beschwerden führen. Dabei besteht häufig eine erhebliche Diskrepanz zwischen subjektivem Erleben, körperlichen Beschwerden und objektiven Organbefunden.
Zudem gibt es so viele Veränderungen, Belastungen und Störungen, die verkraftet werden müssen. D. h. ältere Menschen haben, wie auch jüngere, Probleme zu bewältigen, nur sind es eben andere. Die Jüngeren bedürfen zur Behandlung ihrer Probleme mitunter professioneller psychotherapeutischer Hilfe - darauf haben auch die Älteren gleichermaßen einen Anspruch.

Das Ziel der alterspsychosomatischen Behandlung stellt sich aus geriatrischer Sicht folgendermaßen dar: Durch psychologische Beratung und Führung sowie die Verdeutlichung von körperlicher – seelischer Wechselwirkung z. B. bei Schmerzzuständen, Schlafstörungen, Depressionen, Ängsten, Verlust- und Konfliktreaktionen, die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu erhalten und zu verbessern, den Umgang mit möglichen Einschränkungen im Alter verbessern, zu einer aktiven Lebensgestaltung beitragen, d. h. mehr Lebensqualität im Alter ermöglichen und eine Verzögerung des körperlichen und psychischen Abbaus mit zunehmendem Alter zu bewirken.


Anmerkung Zum Studiengang „Soziale Gerontologie“:

Qualifizierung durch den Studiengang in Breitenbrunn erfolgt sowohl in Hinblick auf die An-forderungen des dritten Lebensalters – geprägt von Aktivität und Partizipation – als auch die des vierten Lebensalters – gekennzeichnet von Hilfebedürftigkeit und einem zunehmenden Verlust an Autonomie. Diese inhaltliche Breite gibt den Studierenden mehrere Optionen bezüglich der späteren Tätigkeitsfelder. Sie werden gleichermaßen befähigt:
  • ältere und alte Menschen bei der Bewältigung von altersspezifischen Aufgaben zu fördern und zu unterstützen sowie
  • öffentliche und private Institutionen in Hinblick auf altersgerechte Bedingungen zu beraten und zu unterstützen.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.ba-breitenbrunn.de