Aktuelle Meldungen der Kliniken Erlabrunn

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Leben gerettet (!?!)

27.06.2012 | Aktuelles

Chefarzt Dr. F. Nestler
Teilnahme der Intensivstation an einer prospektiven multizentrischen Beobachtungsstudie zur Epidemiologie und Ursachen der Sepsis nach Splenektomie (Splen-off-Studie)
Teilnahme der Intensivstation an einer prospektiven multizentrischen Beobachtungsstudie zur Epidemiologie und Ursachen der Sepsis nach Splenektomie (Splen-off-Studie)

Anfang 2011 wurde die Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin des Krankenhauses Erlabrunn vom Kompetenznetzwerk Sepsis (SepNet) der Universität Jena und des Zentrums für chronische Immundefizienz der Universität Freiburg aufgefordert, an einer prospektiven Studie zum Krankheitsbild "Sepsis nach Splenektomie" teilzunehmen.

Nach Einwilligung der Geschäftsführung, einschließlich Klärung juristischer und datenschutzrechtlicher Belange, wurde die Zusage zur Teilnahme gegeben und seitens der Studienzentrale wurden die entsprechenden fachlichen Voraussetzungen der Intensivstation geprüft. Eine Zulassungsgenehmigung zur Teilnahme und entsprechende Studienunterlagen haben wir erhalten.

Dieses sogenannte OPSI-Syndrom (Overwhelming Post-Splenektomie-Infektion) stellt eine akute Erkrankung mit foudroyant verlaufender Sepsis meist durch Pneumokokken hervorgerufen bei anatomischer oder funktioneller Asplenie dar.
Eine Asplenie ist keine seltene Prädisposition für eine Sepsis.
In Deutschland werden jährlich ca. 8.000 Splenektomien vorgenommen, es wird angenommen das 82.000 Personen mit Asplenie leben. Für diese Gruppe wird das Lebensrisiko an einer schweren Sepsis zu erkranken mit 2-5% und einer Letalität mit 50% angegeben.
Ziel dieser Studie soll es sein Risiken, prophylaktische Maßnahmen und die entsprechenden Therapieoptionen zu verbessern.

Das OPSI-Syndrom stellt eine sehr seltene Erkrankung dar, bisher konnten nur 15 Fallpatienten in diese Studie aufgenommen werden.

Wir können berichten, dass wir ebenfalls einen Patienten mit diesem Krankheitsbild erfolgreich behandeln konnten.
Es handelte sich um eine 61-jähre Frau mit initial schwersten septischen Schock mit Beatmungspflicht. Auf Grund einer angeborenen Bluterkrankung erfolgte bereits 1972 eine Milzentfernung. Ernsthafte Erkrankungen einschließlich Infektionen waren zwischenzeitlich nicht aufgetreten. Die Patientin klagte über unspezifische Initialsymptome, jedoch verschlechterte sich der Allgemeinzustand innerhalb kürzester Zeit.

Sie wurde durch den Notarzt mit Bewusstseinsstörungen eingewiesen und durch den diensthabenden Internisten wurde die Patientin unverzüglich ohne Zeitverlust unserer Intensivstation zugeführt. Die komplexen adäquaten intensivtherapeutischen Maßnahmen einschließlich notwendiger Beatmungstherapie wurden eingeleitet. Bereits nach 10 Tagen konnte die Patientin die Intensivstation verlassen und nach weiteren 10 Tagen wurde sie von unserer Medizinischen Klinik zur anschließenden Frührehabilitation verlegt.

Es wurde von der Sepsisgesellschaft ein Notfallausweis ausgegeben, welcher jederzeit bei den Verantwortlichen Herrn Dr. Nestler, CHefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin des Krankenhauses Erlabrunn, angefordert werden kann.

Die Tochter der Patientin leidet ebenfalls an dieser Bluterkrankung und die Milz wurde bereits entfernt. Unsererseits erfolgte eine entsprechende Aufklärung, Aushändigung entsprechendem Informationsmaterial über Verhaltensregeln und die Ausstellung eines Notfallausweises. Der zuständige Hausarzt hat daraufhin die bisher noch nicht durchgeführte prophylaktische Impfung durchgeführt.

Generell muss für dieses septische Krankheitsbild sensibilisiert werden und Patienten mit fehlender Milz sind über ihr Krankheitsbild mit erhöhtem Infektionsrisiko detailliert aufzuklären.

Für individuelle Fragen steht das ITS-Team um Herrn Dr. Nestler jederzeit zur Verfügung.