Operation oft unverzichtbar (?!?)

Fragen & Antworten zum Thema "Zysten oder Myomen"


Jede dritte Frau leidet unter Zysten oder Myomen. Vielen bereiten diese gutartigen Veränderungen oder Bläschen Beschwerden. Eine Operation ist dann unausweichlich. Konservative Behandlungen zeigten nicht den erhofften Erfolg.

Im Rahmen eines Telefonforums der "Freien Presse Chemnitz" am 29. Oktober 2012 wurden von der Zuhörer- und Leserschaft nachstehend folgende Fragen zum Thema "Zyklusstörungen, Senkungen, Endometriose, Gebärmutterentfernung und Fehlgeburten" am häufigsten gestellt, welche gern von einem Experten-Team, so unter anderem von Herrn Dr. med. E. Helwig, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Kliniken Erlabrunn gGmbH, beantwortet wurden.
 
Mein Arzt hat bei einer Ultraschalluntersuchung Eierstockzysten festgestellt und rät mir zur Operation. Ich habe aber keine Beschwerden. Muss der Eingriff trotzdem sein? Ich möchte gern noch Kinder bekommen.
Eierstockzysten machen selten Beschwerden, sie sind meist ein Zufallsbefund im Rahmen einer gynäkologischen oder anderer Untersuchungen. Eine operative Entfernung ist aber unbedingt anzuraten, da aus den Zysten ein Eierstockkrebs entstehen kann. Bei der Operation wird die Zyste komplett entfernt, der Eierstock aber, bei jungen Frauen weitgehend möglichst erhalten. Wichtig ist, dass die Zyste im Ganzen geborgen wird. Die Flüssigkeit wird dann pathologisch auf Krebszellen untersucht. Wird nur ein Eierstock entfernt, reichen Eier und Hormonproduktion des anderen Eierstockes völlig aus. Eine Schwangerschaft ist also noch möglich.

Müssen Myome unbedingt operativ entfernt werden? Gibt es nicht auch andere Verfahren, wo die Gebärmutter erhalten bleibt?
Wenn Myome keine Beschwerden bereiten, also keine starken und schmerzhaften Blutungen auslösen oder durch ihr Größenwachstum Blase, Harnleiter und Darm beeinträchtigen, müssen sie nicht entfernt werden. In der Menopause können sie sich dann manchmal auch von allein zurückbilden. 80 Prozent der Betroffenen brauchen jedoch eine Behandlung. Das kann mit Medikamenten – sogenannten Gestagen-Gegenspielern – geschehen. Auch eine Embolisation – umgangssprachlich Verödung – ist möglich. Die Erfolgsrate ist jedoch nicht sehr hoch. Viele Patientinnen müssen nach konservativer Behandlung trotzdem operiert werden. Eine neue Methode ist die Behandlung mit fokussiertem Ultraschall, der die Myome zum Absterben bringen kann. Dieses Verfahren steckt aber noch in den Kinderschuhen. Langzeitbeobachtungen gibt es noch nicht.

Ich bin 65 Jahre alt. Vor zehn Jahren wurde meine Gebärmutter aufgrund von Myomen entfernt. Sollte ich trotzdem noch zur Krebsvorsorge gehen?
Unbedingt. Denn keine Gebärmutter mehr zu haben, heißt nicht, keinen Krebs mehr bekommen zu können. Eierstock-, Scheiden- oder Schamlippen-Tumore sind trotzdem möglich und sollten in einem frühen Stadium erkannt werden, um gut behandelbar zu sein. Einmal jährlich sollten Sie zur Kontrolluntersuchung gehen.

Meine Tochter hatte eine Fehlgeburt. Ist bei ihr jetzt das Risiko für weitere Fehlgeburten erhöht? Sollte sie sich genetisch untersuchen lassen?
Wenn eine Fehlgeburt zum zweiten Mal oder nach dem 35. Lebensjahr auftritt, wird eine genetische Untersuchung empfohlen. Eine Gewebeuntersuchung zeigt, ob zum Beispiel Chromosomen-Fehlbildungen vorliegen. Außerdem erfolgen Blutuntersuchungen bei Frau und Mann. Gynäkologisch wird untersucht, ob Fehlbildungen der Gebärmutter vorliegen, die Eileiter durchgängig sind oder Verwachsungen die Ausbildung einer Schwangerschaft verhindern. Erst dann kann man sagen, ob eine gewisse Veranlagung dafür vorliegt.

Vier Wochen nach einer Gebärmutterentfernung habe ich plötzlich Blutungen bekommen. Ist das ein Kunstfehler?
Sicher nicht, denn etwa vier Wochen nach der Operation lösen sich die Fäden auf. Das kann zu Blutungen führen, die ein paar Tage anhalten.

Ein Gebärmuttervorfall ist doch eigentlich eine Alterskrankheit. Ich bin erst 38. Wie kommt es in so jungen Jahren zu so einer Erkrankung?
Da gibt es viele Gründe. Eine Bindegewebsschwäche kann einer davon sein, dass so etwas auch bei jungen Frauen auftritt. Doch das ist recht selten. Der Vorfall ist in der Tat eher eine Alterserscheinung, wenn das Bindegewebe an Elastizität verliert. In jedem Falle ist das Problem jedoch operativ gut zu behandeln. Sie müssen sich nicht mit dieser derzeitigen Situation abfinden.

Kurz vor meiner Regel leide ich unter depressiven Verstimmungen, Schmerzen in der Brust und Heißhungerattacken. Auch Wassereinlagerungen machen mir zu schaffen. Kann man da etwas dagegen tun?
Das sogenannte prämenstruelle Syndrom – mit PMS abgekürzt – haben etwa 15 bis 20 Prozent der Frauen. Die Beschwerden können von leichten Unpässlichkeiten bis hin zu starken Schmerzen und Beeinträchtigungen gehen. Hormonelle Ursachen kommen hier infrage. Da das Ganze meist nur zwei bis drei Tage dauert, ist eine Behandlung nicht sinnvoll. Entspannungsverfahren und gegebenenfalls Schmerzmittel können hier helfen.

Seit Wochen plage ich mich mit einer Pilzinfektion herum, die nicht besser wird. Ich habe schon alle möglichen Mittel probiert, nichts hilft. Was kann ich tun?
Möglicherweise handelt es sich dabei um eine Infektion mit Herpesviren. Das sind die gleichen Erreger, die die Gürtelrose und Lippenbläschen auslösen. Da die Viren jedoch nur nachweisbar sind, wenn man die Flüssigkeit der Herpesbläschen untersucht, lässt sich die Ursache meist nicht bestätigen, denn die Bläschen sind nur einige Stunden vorhanden. Diese Infektionen werden dann fälschlicherweise wie Pilzinfektionen behandelt, was natürlich keinen Erfolg bringt. Herpesmedikamente wie Zovirax und Aciclovir, die als Infusion verabreicht werden, haben aber starke Nebenwirkungen, so dass die Behandlung schwierig ist.

Ist Endometriose behandelbar?
Bei der Endometriose wächst Schleimhautgewebe der Gebärmutter in andere Teile des Körpers, meist im Bauchraum, und sorgt dort für massive Beschwerden während der Regelblutung. Das Ziel der Therapie ist es, die Regel-Blutungen so lange wie möglich zu vermeiden, da nur in der Blutungspause die Schleimhautnester vertrocknen können. Eine Schwangerschaft oder die Behandlung mit einer Hormonspirale, wo keine Blutungen mehr stattfinden, sind ein guter Weg, um die Erkrankung vielleicht loszuwerden. Allerdings ist die Endometriose einer der Hauptgründe für Sterilität der Frau.

Aufgrund von Myomen soll meine Gebärmutter entfernt werden. Ist es besser den Gebärmutterhals im Körper zu belassen, um spätere Senkungen zu vermeiden?
Nein. Groß angelegte Studien mit über 1.000 Patientinnen haben gezeigt, dass Senkungen in beiden Gruppen etwa in gleicher Häufigkeit auftreten. Das Belassen des Gebärmutterhalses birgt sogar ein zusätzliches Krebsrisiko. Wenn Sie sich für den Erhalt des Organteils entscheiden, sollten Sie unbedingt weiter zur Krebsvorsorge gehen und regelmäßig Zellabstriche untersuchen lassen.

Stephanie Wesely (Freie Presse Chemnitz)